Projekt: Restaurierung einer Bücker 181 "Bestmann"

Das hier beschriebene Muster ist eines der wenigen noch existierenden Exemplare dieses Typs, die im Bücker-Stammwerk in Rangsdorf entstanden sind.

Im Bestreben, dieses Flugzeug wieder in die Luft zu bekommen, müssen, besonders an der Holzstruktur des hinteren Rumpfteils, der Flügel und der Leitwerke, umfangreiche Instandsetzungen erfolgen. Obwohl Holz als Werkstoff im Flugzeugbau auch über diesen großen Zeitraum (Baujahr ist hier immerhin 1944) keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt, gibt es mit dem damals verwendeten Leim ein Festigkeitsproblem durch Alterung. Man kann Flugzeuge diesen Alters dadurch buchstäblich 'von Hand' auseinandernehmen.

Ziel ist also eine komplette Neuverleimung der Struktur. Aus Gründen der Maßhaltigkeit der Komponenten und der Beschlagsverschraubung kann dies prozesstechnisch nur über den Ersatz auch großer Teile der verwendeten Leisten und Beplankungen erfolgen. Bedingt durch gut erhaltene Original-Baupläne und die Anwendung der alten Bauverfahren ist hier aber absolute Originalität bei den hergestellten Neuteilen gegeben.

Beim Besitzer ist am Rumpf schon der größte Teil der Arbeiten in guter Qualität erledigt worden.

Hier wird nun das Rumpfvorderteil aus Stahlrohr an die hölzerne Rumpfröhre angepasst. Vor dem Verbohren der Löcher für die Verbindungsschrauben müssen beide Teile exakt zueinander ausgerichtet werden. Ein Hellingbau ist dazu unerlässlich. Dazu gibt es konstruktionsbedingt einige waagerechte und senkrechte Bezugsebenen, die diese Arbeit definieren.

Der Einbau bestimmter Verkleidungs- und Beschlagteile muss vor dem Beplanken des Rumpfrückens erfolgen, da die Zugänglichkeit hinterher eingeschränkt ist. Die freistehenden oberen Halbspanten benötigen zudem eine positionsfixierende Hilfskonstruktion.

Nun kann die Rumpfrückenbeplankung angezeichnet und innenkonserviert werden. Auch die aus der Beplankungsabwicklung vorstehenden Seitenflossenbeschläge werden nun entgültig verschraubt, die entsprechenden Löcher in der Beplankung ausgeschnitten. Die Verleimung erfolgt mit exakt für jeden Spant angefertigten Negativ-Pressschablonen.

Nach Entfernung der Schablonen und der inneren Hilfskonstruktion werden noch die Ränder besäumt und die vorgesehenen Verstärkungen angebracht.

Nun geht es an den Bau der Leitwerksflossen. Dazu werden wieder alle verfügbaren Daten aus Originalzeichnungen oder vermessenen Originalteilen in ein CAD-Modell übertragen. Die daraus resultierenden, sehr genauen Strakpläne ermöglichen einen exakten Rippen- und Holmbau.

Turmbau zu Babel(sberg): Der Seitenflossenaufbau erfolgt direkt am exakt zur Bezugsebene ausgerichteten Rumpf. Dadurch wird bei dieser "Einzelanfertigung" die Maßhaltigkeit an den Anschlussstellen und die Winkeltreue gewährleistet.

Der kompromisslose Leichtbau der Leitwerksflossen erfordert noch einen speziellen Vorrichtungsbau: Die dünne Torsionsbeplankung ist nur im Nasenbereich innen mit einer zusätzlichen Sperrholzschicht aufgedickt. Zum Vorbiegen und Pressen der Verleimung wird ein Profilklotz gefräst.

Für die historische Dokumentation werden an allen Holmen die Original-Sperrholzstücke mit der Werknummer und den Prüfstempeln von 1944 angebracht.

Den Abschluss der Holzarbeiten am Rumpf bilden nun noch kleinere Verkleidungsteile und das Herstellen des Spaltmaßes zwischen Rumpf und der abnehmbaren Seitenflosse.

Nun wird in gleicher Art die Höhenflosse aufgebaut. Holme, Rippen und Randbögen werden lamelliert und verleimt. Dabei ist wichtig, bei welchem Arbeitsschritt z.B. die Beschläge angepasst, verbohrt, vernietet oder verschraubt werden.

Die beiden großen Torsionsbeplankungsteile erhalten wieder die vorverleimte Nasenverstärkung. Damit die Rippen auch nach dem Beplanken im richtigen Winkel zueinander stehen, empfiehlt sich eine einfache Helling.

Ansichten der fertigen Flosse: Die ungeheure Liebe der damaligen Konstrukteure zur "Detailausarbeitung" wird sichtbar.

Den Abschluss hier bildet der Anbau der schon vom Besitzer vorbereiteten Original-Ruder mit Hilfe der Verbindungsbeschläge und des Ausgleichsgewichts.

(aktualisiert am 10.11.2016)

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